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Die ADAC Eifel-Rallye war das erwartete Sommerfest, nicht nur der
deutschen Rallyegemeinde. Über 150 Teams aus elf Nationen begeisterten
die 25.000 Fans an den Wertungsprüfungen in der Vulkaneifel. Vom
Shakedown am Donnerstag in Neichen bis hin zur Open-Air-Siegerehrung am
Samstagabend in Daun gab es einen attraktiven Mix aus allen Bereichen
des Rallye-Sports. Motorsport auf höchstem Niveau beim Kampf um den
sportlichen Sieg in der Eifel und die Führung in der Deutschen
Meisterschaft, einen Filmabend mit Doppelweltmeister Walter Röhrl, der
aus dem ‚Nähkästchen’ plauderte oder die Demonstrationsfahrten der
Eifel-Historic Rallyeparty, dem größten rollenden Rallye-Museum der
Welt.
Hier nun einige Eindrücke vom Rallyewochenende in der
Eifel:
Rekordchamp Matthias Kahle übernimmt
Meisterschaftsführung
Mit ihrem zweiten Saisonsieg haben Matthias
Kahle (Köln) und Co-Pilot Peter Göbel (Korb) den Sprung an die
Tabellenspitze der DRM (Deutsche Rallye-Meisterschaft) geschafft. Beim
vierten von fünf Saisonläufen konnte sich das Skoda-Werksgespann im
Fabia Super 2000 gegen Olaf Dobberkau und Alexandra König (Schleusingen,
Porsche 911 GT3) durchsetzen, die beim Zieleinlauf in Daun 28,0
Sekunden Rückstand hatten. Während sich DRMRekordmeister Kahle bei der
ADAC Eifel-Rallye von der ersten Prüfung an in Führung setzte,
durchlebte sein Teamkollege ein Auf und Ab: Mark Wallenwein (Stuttgart)
ging mit Co- Pilot Stefan Kopczyk (Heilbronn) im zweiten Skoda Fabia
Super 2000 als Fünftplatzierter in den zweiten Rallyetag, und konnte
sich zeitweise bis auf die zweite Position vorarbeiten. Schließlich
musste er sich dem knallroten Prorallye-Porsche aus Thüringen beugen und
platzierte sich als Dritter vor seinem älteren Bruder Sandro, der mit
Beifahrer Marcus Poschner im Subaru Impreza N15 so noch einen
versöhnlichen Abschluss eines schwierigen Wochenendes feiern konnte.
Vor
dem Saisonfinale der DRM bei der ADAC-Saarland-Rallye rund um Dillingen
(3. bis 4. September) hat sich Matthias Kahle einen kleinen Vorsprung
erarbeiten können: „Unser Ziel ist mit diesem Sieg voll erfüllt. Aber
die Konkurrenten haben es uns ganz schön schwer gemacht“, so der
Skoda-Pilot im Ziel der Eifel-Rallye. „Auf den letzten Prüfungen kamen
wir gehörig unter Druck. In der Meisterschaft haben wir jetzt zwar die
Führung übernommen, aber die Entscheidung fällt definitiv erst im
Saarland. Das wird ein großer Kampf.“ Auf der Jagd nach dem
Spitzenreiter spielte an diesem Wochenende ein Team die Hauptrolle: Olaf
Dobberkau lieferte sich mit Kahle ein spannendes Duell um die Führung,
konnte die Spitzenposition aber dennoch nie übernehmen. Aus einer
Wiederholung des Vorjahressieges oder einem zweiten Sieg nach dem
Triumph beim dritten DRM-Lauf in Sachsen wurde so nichts. „Mehr war
gegen die Skoda einfach nicht drin“, gab sich der Schleusinger dennoch
versöhnlich. „Auf der letzten Prüfung war ich trotz des hohen
Schotteranteils nur zwei Sekunden langsamer als Mark Wallenwein – das
war schon ziemlich flott. Der Kampf war wesentlich härter als im
vergangenen Jahr. Auch ohne meinen Ausritt auf der WP Vulkaneifel hätte
ich Matthias nicht schlagen können“. Wie ausgeglichen das Geschehen in
der Spitzengruppe der DRM in dieser Saison ist, zeigt ein Blick auf die
Bestzeiten-Statistik. Je vier WP-Bestzeiten gingen an die Spitzenreiter
Kahle und Dobberkau, Mark Wallenwein fuhr auf zwei Prüfungen die
schnellste Zeit. Aaron Burkhart, Gaststarter aus der Junior- Rallye-WM,
trug sich mit einer Bestzeit auf der finalen WP in die Liste ein.
In
der Division 2 konnte sich erneut Carsten Mohe (Crottendorf)
durchsetzen. Mit Co-Pilotin Katrin Becker (Schlitz) zeigt sich der
Sachse in Bestform und platzierte sich mit seinem Renault Clio R3 max an
sechster Gesamtposition. Mit seinem Husarenritt machte er eine
Meisterschaftsposition gut und verkürzte zudem den Rückstand auf
Divisionsspitzenreiter und DRM-Dritten Felix Herbold. „Ich hätte nicht
gedacht, dass die sechste Position hier überhaupt möglich ist“, freute
Mohe nach der Rallye. „Trotz des Divisionssieges wird es fast unmöglich
sein, im Saarland den Titel in der Division zu holen. Aber trotzdem
werden wir natürlich alles versuchen.“ In der Division 3 setzte sich der
belgische Gaststarter Bruno Thiry im Citroën C2R2 Max durch. Als bestes
DRM-Team schnitten Lars Mysliwietz / Oliver Schumacher (Piesbach /
Fluterschen, Citroën C2R2 max) ab, die sich mit diesem Ergebnis
vorzeitig den Sieg in der Division 3 sichern konnten: Vor ihrem
Heimspiel im Saarland rangieren sie zudem an zweiter Position der
Gesamtwertung.
Zu den Pechvögeln des Wochenendes gehörte
zweifellos Porsche-Pilot Toni Werner (Altfraunhofen), der mit Ralph
Edelmann an der Spitze des Feldes mitmischte. Vor der elften Prüfung lag
das Duo noch an vierter Position, schied aber nach einem Motorplatzer
auf der Transferetappe zu dieser finalen WP aus. Zwei Teams profitierten
vom Pech des Bayern: Sandro Wallenwein erbte so die vierte Position und
erntete genügend Punkte, um die dritte Tabellenposition zu übernehmen.
Trotz technischer Probleme konnte er sich vor Hermann Gaßner / Karin
Thannhäuser (Surheim / Teisendorf, Mitsubishi Lancer Evo 10) platzieren
und spricht nun im Saarland bei der Vergabe von Meistertitel und
Spitzenpositionen noch ein Wort mit. „Wir hatten mit Stoßdämpfer- und
Motorproblemen zu kämpfen“, beschreibt der Stuttgarter. „Ich war nicht
sicher, ob wir überhaupt das Ziel erreichen würden. Um so glücklicher
bin ich, dass wir bestes Gruppe-N-Auto geworden sind.“ Auch Hermann
Gaßner profitierte von Werners Pech, gestand aber: „wir hätten Toni
lieber auf der Strecke geschlagen.“ Nicht nur ein Reifenschaden auf WP
5, der rund eineinhalb Minuten kostete, warf den vierfachen DRM-Champion
zurück. „Mit dem Evo 10 war heute nicht mehr drin“, so der Surheimer.
„Das Auto ist einfach zu schwer, und wir hoffen, dass unsere Homolgation
entsprechend geändert wird. Bis dahin bleiben die Zeiten für uns
schwierig.“
Walter Röhrl begeistert die Fans
Stimmungsvoll
war der Auftakt am Donnerstag beim Shakedown für die ADAC Eifelrallye:
Gleich mehrere Gründe lockten die Zaungäste dabei ins Herz der
Vulkaneifel. Zum einen nutzten viele Teams aus der DRM und dem
historischen Teil der Veranstaltung die Gelegenheit, ihr Fahrzeug einem
letzten Test vor dem Start der Rallye am Freitag zu unterziehen. Rund
3.000 Fans wollten sich das nicht entgehen lassen und sorgten dabei in
Neichen für Volksfeststimmung. „Unser Dorf war noch nie so oft in der
Zeitung wie in den vergangenen Jahren“, staunte Ortsbürgermeister
Wolfgang Düx. „Nicht nur deshalb stehen hier alle überzeugt hinter
dieser Veranstaltung.“
Im Mittelpunkt des Interesses stand für
viele Besucher der zweifache Rallye-Weltmeister Walter Röhrl. Der wohl
berühmteste deutsche Rallyepilot schrieb nicht nur unermüdlich
Autogramme, sondern zeigte auf der Test-WP auch sein Können in einem
ehemaligen Einsatzfahrzeug: Er ist am Wochenende im
„Slowly-Sideways“-Starterfeld in einem Opel Ascona aus dem Jahr 1982 am
Start – es ist das Fahrzeug, mit dem er die Rallye Monte Carlo gewann.
Wer Fahrer und Fahrzeuge abseits des sportlichen Wettbewerbs auf den
Wertungsprüfungen in aller Ruhe besichtigen wollte, konnte dies am
Freitag und Samstag ausgiebig tun. Die „Historischen“ hatten ihre bunten
Servicezelte inmitten von Daun auf dem Marktplatz aufschlagen. Wer
jetzt dachte, die Besitzer würden ihre wertvollen Schätze nur auf dem
Marktplatz ausstelle, der lag weit daneben. Die Truppe um den
Rallye-Kult- Fotografen Reinhard Klein (Köln) nahmen alle
Wertungsprüfungen der richtigen Eifel-Rallye unter die Räder. Und alles
getreu ihrem Motto: „Slowly Sideways“, was frei übersetzt so viel heißt
wie „wir fahren vielleicht etwas langsam, aber Hauptsache quer“. Im
Forum Daun erlebten außerdem 300 Gäste einen Rallyeabend der ganz
besonderen Art: Renn- und Rallyefilmer Helmut Deimel zeigte erste
Ausschnitte seines Filmes über Safari- Legende Franz Wittmann, zu denen
die persönlich anwesenden Röhrl und Wittmann ihre Kommentare
beisteuerten. Die Anekdoten der beiden Rallye-Altmeister sorgten
gemeinsam mit den stimmungsvollen Filmen für eine perfekte Einstimmung
auf den DRM-Lauf rund um Daun.
DMSB-Präsident zu Besuch in
der Eifel
Torsten Johne, der Präsident de DMSB (Deutscher Motor
Sport Bund) ließ sich das Sommerfest in der Eifel ebenfalls nicht
entgehen und hatte für die Aktiven der höchsten Deutschen Rallyeliga
wichtige News dabei: Die DRM (Deutsche Rallye-Meisterschaft)
verabschiedet sich aus der Saison 2010 mit einer echten Rallyeparty. Am
29. und 30. Oktober 2010 trifft sich die Rallye-Elite Deutschlands in
Schwalmtal-Storndorf, um ihre Sieger und Platzierten hochleben zu
lassen. Beim ADAC rallyesprint. eu stehen nicht nur rund 60 WP-km auf
dem Programm, nach dem Event sollen sich Fahrer und Fans zu einer großen
Rallyeparty zusammenfinden. Johne gab auch einen ersten Einblick in die
Planungen für die Saison 2011. „Die Qualität des Starterfeldes ist in
der DRM in den vergangenen Jahren stetig gestiegen“, skizzierte
DMSB-Präsident Torsten Johne die Entwicklung der Serie. „Wir wollen
versuchen, diese erfreuliche Entwicklung auch weiter zu fördern.“ Das
gilt auch für den Terminkalender: „Die Saison 2010 mit ihren nur fünf
Veranstaltungen, von denen der Vierte hier in der Eifel ausgetragen
wird, soll eine Ausnahme bleiben“, so Johne, „die Saison 2011 wird aus
sechs Läufen bestehen.“
Jerlitschka und Souvigné in ihren
Serien vorn
Innerhalb des Laufes zur Deutschen
Rallye-Meisterschaft mit 88 Startern konnten auch die Teams anderer
Serien überzeugen. Die Wertung zur Youngtimer-Trophy ging an Paul
Jerlitschka / Dietmar Moch (Remscheid) im Ford Escort RS 2000. Die
Lokalmatadoren Jürgen Lenarz / Ralf Müller (Sarmersbach / Deutesfeld) im
lagen zeitweise in Führung, mussten aber nach einem Technikdefekt ihren
Opel Kadett C Coupé vorzeitig abstellen. Dennoch war Jürgen Lennarz
begeistert, vor allem nach der Auftaktprüfung durch seinen Wohnort
Sarmersbach. „Es ist einfach nur ein geniales Gefühl im Rallyetempo
durch meinen Heimatort Sarmersbach zu fahren. Und das vor der Kulisse
von 5.000 Fans. Das hat uns angespornt. Drei Jahre lang haben wir hier
fast auf die Sekunde genau die gleiche Zeit gefahren, diesmal waren wir
gut 9 Sekunden schneller.“ Bester Teilnehmer der Luxemburger
Meisterschaft war Mike Souvigné L-Cruchten), der im Mitsubishi Lancer
zusammen mit seinem Perler Beifahrer Stefan Stolle auf den siebten
Gesamtrang fuhr. Mit diesem Resultat waren sie auch das schnellste Team
der Euro-Rallye-
Trophée in der Eifel.










